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Echt evangelisch

Am 24. September ist Bundestagswahl. Ich schreibe diese Zeilen vor der Wahl und kenne deshalb die Wahlbeteiligung noch nicht. Aber wie bei jeder Wahl wird es auch 2017 die große Gruppe der Nichtwähler gegeben haben. Viele der Berechtigten wählen nicht, weil sie befürchten, dass keine der zur Wahl stehenden Partei ihre Erwartungen erfüllen wird.

Das Gedenken an den Beginn der Reformation vor 500 Jahren und die Erinnerung an die damit verbundenen Veränderungen in vielen Bereichen der Gesellschaft, passt gut zu diesem Thema. Menschen ließen sich von den Ideen der Reformation begeistern, begannen ihre Erwartungen an andere zu hinterfragen, entwickelten eigene Vorstellungen und setzten sie in die Tat um. So entstanden Schulen und Universitäten, Bildung wurde nach und nach breiteren Bevölkerungsschichten zugänglich gemacht, das Wort Gottes konnte jetzt in der eigenen Muttersprache gehört oder gelesen und vor allem verstanden werden. Das alles versetzte Menschen in die Lage sich selbst eine Meinung zu bilden, alte Abhängigkeiten und Drohungen zu hinterfragen und legte so den Grundstein für Eigenverantwortung und Freiheit. Reformation ist kein geschichtlich abgeschlossenes Ereignis. Es ist ein dynamischer Prozess, der bis heute nicht zu Ende ist. Es ist eine Herausforderung, sich selbst auf die Suche nach den Antworten auf aktuelle Fragen zu machen. Für Christen geht es im  Grunde dabei immer wieder um die Frage nach dem Willen Gottes.

Eigene Antworten zu finden, eigene Konsequenzen für das Handeln abzuleiten auch auf die Gefahr hin, dass das nicht immer allen gefällt, das ist eine große Herausforderung und nicht immer leicht. Zur Wahl zu gehen und damit ein freiheitliches Grundrecht zu nutzen und dabei die zu unterstützen die Verantwortung übernehmen, ist hingegen nicht schwer und außerdem echt evangelisch.
Steffen Hoffmann