Lehre uns bedenken,
dass wir sterben müssen,
auf dass wir klug werden.
Psalm 90,12

Gegen Ende des Sommers feierte ich meinen 47. Geburtstag. Mit knapp 50 Jahren sollte ich noch einige Jahre vor mir haben. Aber ich bin eben auch nicht mehr taufrisch. Erste, zweite und dritte… Anzeichen des Alterns melden sich. Und meine grauen Haare kann ich schon lange nicht mehr zählen.

Gefühlt hat man mit Ende 40 längst die Lebensmitte hinter sich. Unser Emp­finden der Zeit ändert sich mit den Jah­ren rasant. Als Kind dauerte ein Jahr ewig. Später jagt die Zeit dahin und man fragt sich, wo die Stunden, Tage, Jahre geblieben sind.

Ich will nicht jammern. Im Grunde geht es meiner Familie und mir gut. Und ich hoffe, es bleibt noch lange so. Aber ein Geburtstag ist eben nicht nur Grund zum Feiern. Er ist auch Mahnung und Erinnerung an eine oft verdrängte Tatsache: Unsere Zeit auf dieser Erde ist begrenzt. Unser Leben hier dauert nicht ewig. Es endet – irgendwann, unweiger­lich. Ich glaube, Gott hat unsere Zeit hier ganz bewusst beschränkt, damit wir wach werden für das Wesentliche im Leben.

Das sind einerseits die Menschen, die wir lieben und mit denen wir leben. Auf dem Sterbebett bedauert niemand, zu kurz im Büro oder in der Werkstatt oder auf dem Feld gewesen zu sein. Er / sie wird bedauern, zu wenig Liebe gezeigt zu haben, zu wenig Zeit mit den Kindern oder dem Partner oder Freun­den verbracht zu haben. Im Angesicht des Todes verlieren viele Sorgen ihre Bedeutung, wir erkennen den Wert jeder Sekunde und wir verstehen, wie sinnlos Zeitvertreib im Grunde ist.

Andererseits geht es um Gott – um den Lebendigen Gott, der nicht wie Gras vergeht. Er ist nicht nur ewig. Er hat die Zeit geschaffen. Und er kam in Jesus in unsere Zeit, damit wir Anteil an seiner Ewigkeit bekommen können.

Deswegen sind wir Christen Men­schen mit Hoffnung. Wer an Jesus glaubt, der hat das ewige Leben. Selbst der biologische Tod kann uns das nicht mehr nehmen. Daran könnte uns jeder Geburtstag erinnern – wenn wir es denn zulassen.

Ihr Pfarrer Jörg Matthies