Liebe Gemeinde, manchmal verletzen, beschämen oder nerven wir andere Menschen, ohne dass wir es selber mer­ken oder wollen. Wie gut, wenn jemand uns darauf in Liebe hinweist! Trotzdem gilt: Worte, die uns die Wahrheit eröff­nen, sind unangenehm, tun weh. Aber sie sind nötig. Keine Wahrheit – keine Heilung.

Leider haben viele Menschen einen Reflex: Sagt uns jemand eine unan­genehme Wahrheit über uns, dann schießen wir zurück. Wir beschönigen, wehren ab. Wird die Wahrheit gesagt, kommt es deswegen nicht selten zu Streit, weil wir es nicht über die Lippen bringen und sagen: Ja, du hast Recht. Oder weil wir es nicht schaffen, die andere Meinung so stehen zu lassen.

Jakobus wusste von diesem Prob­lem. Er schreibt in der Bibel: Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn. Das Prinzip ist, schnell zu hören und lang­sam zu reagieren. Haben wir deswegen zwei Ohren aber nur einen Mund von Gott bekommen? Auf jeden Fall haben wir eine Aufgabe bekommen, wenn andere uns kritisieren: Ich möchte nicht sofort explodieren. Ich möchte heraus­finden, ob der andere vielleicht Recht hat. Und vielleicht kann ich ja etwas von ihm lernen.

Das bedeutet nicht: Ich muss jegli­cher Kritik ängstlich Recht geben oder darf keine eigene Meinung haben. Es bedeutet: Jemand hat den Mut aufge­bracht, mir seine Sicht der Wahrheit zu sagen. Dann schulde ich es ihm und auch mir, diese Worte zu hören. Und vielleicht ergibt sich daraus ein Gespräch, das Herzen öffnet.

Zum Schluss ein Zitat dazu aus einem Lied von Arno und Andreas:

Schlag nicht zurück, lauf nicht davon, willst du denn bleiben wie du bist?

Es könnte sein, dass dir die Wahrheit heute nah wie selten ist.

Frag nach dem Grund,

warum dir einer seine Meinung sagen will, und ist es Liebe, dann hör zu und halte still.

Ihr Pfarrer Jörg Matthies