Im Duden wird für ein Wort nicht nur die richtige Schreibweise gezeigt, sondern auch der Gebrauch dieses Wortes erklärt, also ob es zur Umgangssprache gehört oder eher selten verwendet wird. Dem Wort »barmherzig« wird ein sogenannter gehobener Gebrauch zugeschrieben, es würde also nur zu besonderen feierlichen Anlässen verwendet und kommt auch sonst eher selten in der Literatur vor. Ich weiß nicht genau, ob das ein Hinweis ist, wie
stark oder schwach die Barmherzigkeit in unserem Land ausgeprägt ist. Aber ich denke: Jesus fordert uns mit gutem Grund mit der neuen Jahreslosung auf:

Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Lukas 6,36.

Anscheinend ist Barmherzigkeit eben nicht in dem Maß bei uns vorhanden, wie sie es sein sollte. Ansonsten müsste Jesus diesen Satz nicht sagen. Außerdem lehrt uns auch ein Blick in
die Presse: Wir leben in einer Welt, die unbarmherzig und grausam sein kann. Die Frage ist nun: Wie werden wir Menschen barmherziger? Jesus selber nennt uns in den Versen nach der Jahreslosung vier Möglichkeiten zum Einüben von Barmherzigkeit. Auf die erste möchte ich eingehen, da sie wohl für uns Menschen am dringendsten ist. Jesus sagt: Richtet nicht! Es geht hier nicht um das Richten im Gericht oder das Bewerten von Klausuren.

Das griechische Wort für »richten« kann nämlich auch aburteilen oder schlechtmachen bedeuten. Ich denke, genau darauf will Jesus hinaus. Und er spricht damit einen wunden Punkt bei uns Menschen an. Wie oft stehen zwei zusammen und reden über einen dritten
und wie oft sind sie dabei unbarmherzig und machen den schlecht, der sich in diesem Moment nicht wehren kann. Hier ist ein Punkt, wo wir alle zu lernen haben und auch lernen sollten.
Und das wäre ein Punkt, wo wir als Christinnen und Christen einen echten Unterschied machen und damit einen guten Hinweis auf unseren himmlischen Vater geben könnten.

Vorsatz für 2021: Lasst uns Gutes übereinander reden und denken und lasst uns unseren himmlischen Vater bitten, dass ein Stoppschild erscheint, wenn wir mal wieder einander schlecht machen.

Jörg Matthies