Da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut. (Matthäus 2, 10 – Monatsspruch Dezember)

Auf einem Treppenabsatz in der Roßweiner Kirche werden die Kostüme und Utensi­lien für das Krippenspiel aufbewahrt: eine Kleiderstange mit Mänteln, Hüten und Umhängen, goldschillernde Blechdosen als Geschenke der Könige, eine Holzkrippe mit einer Kerze, Hirtenstäbe, Schaffelle, ein Lagerfeuer mit elektrischer Beleuchtung und ein großer goldener Stern an einem langen Holzstab. All diese Dinge werden alle Jahre wieder hervorgeholt und die Krip­penspieler damit ausgestattet. Am Heiligen Abend haben sie dann ihren großen Auf­tritt.

Der Stern am Holzstab wird benötigt, wenn die Jüngsten der Roßweiner Kirchge­meinde in der Epiphaniaszeit das Krippen­spiel aufführen. Der erste der Drei Heiligen Könige trägt den Stern vor sich her, die anderen beiden folgen ihm nach. Und so gelangen sie zielstrebig zum Kind in der Krippe.

Ganz so einfach wie beim Krippenspiel war es allerdings für die Weisen aus dem Morgenland damals nicht. Beim Lesen der Geschichte im Matthäusevangelium wird uns deutlich, dass für sie der Weg zur Krippe nicht so geradlinig verlaufen ist. Zunächst mussten sie sich durchfragen nach dem neugeborenen König der Juden. Fälschli­cherweise landeten sie zunächst im Palast des völlig verdutzten Königs Herodes. Wie hätten sie denn ahnen können, dass der Stern für ein kleines Kind in einem Stall am Firmament leuchtet? Schließlich waren sie hocherfreut, als sie den Stern in Bethlehem sahen und kurze Zeit später anbetend vor dem Kind in der Krippe niederknieten.

Mit der Advents- und Weihnachtszeit ist es oft wie mit dem Stern vom Krippenspiel. Wir eilen durch die Wochen und Feiertage hindurch – die Festtagsvorbereitungen vor Augen und die Einkaufstüten mit den Geschenken rechts und links in der Hand.

Trotz alledem ermutige ich Sie, sich gerade in der Adventszeitzeit vielmehr auf die Suche zu machen und sich dafür auch einmal innerlich auf Umwege zu begeben. Ich meine damit nicht die Wege, die für die Festtagsvorbereitungen vonnöten sind. Sondern den Weg zu Jesus Christus. In sol­cher Besinnung kann ich selbst für mich erforschen, wo für meinen Glauben der Stern hell leuchtet und was mich hocher­freut. Und wenn ich das in mir entdecke, dann kann ich wie die Heiligen Drei Könige – innerlich oder tatsächlich – anbetend nie­derknien und Jesus Christus für das danken, womit er mein Leben hell und froh macht.

Ihr Pfarrer Heiko Jadatz