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Gemeinsam stärker!

Die Ereignisse der letzten Wochen in Chemnitz haben viele Menschen auf­gewühlt und beunruhigt. Neben ande­ren Stimmen der Gesellschaft haben sich auch die Kirchen zu Wort gemel­det. Auch der Kirchenbezirk Chemnitz hat kurz nach den Ereignissen vom 27. August eine Stellungnahme veröffent­licht, die im Internet unter www.evlks. de/aktuelles nachgelesen werden kann.

Keine Frage, das Zusammenleben in den Städten ist in den letzten Jahren nicht einfacher geworden. Das ist nicht nur Einbildung, das ist dort täglich zu erleben. Straftaten sind nicht hinzu­nehmen, sie müssen durch die Behör­den konsequent und zügig verfolgt und geahndet werden, ganz gleich von wem sie verübt werden. Realitäten dürfen nicht verdrängt und Bedenken nicht belehrend abgetan werden, denn das wird Menschen in die Arme derer trei­ben, die versprechen für jedes Problem eine einfache Lösung zu haben. Das bedeutet aber keineswegs, dass ganze Gruppen von Menschen pauschal ver­urteilt werden dürfen. Verallgemeine­rungen sind immer bestens geeignet dem Einzelnen Unrecht zu tun.

Meine dienstlichen Aufgaben verbinden mich seit vielen Jahren mit Chemnitz. Es schmerzt mich schon, dass jetzt teil­weise der Eindruck entstanden ist, dass sich die Wurzeln des Fremdenhasses und der Intoleranz in dieser Stadt befin­den. Es ist zu einfach und ungerecht, ein gesamtgesellschaftliches Problem auf eine einzige Stadt zu projizieren und sie dadurch in ein katastrophales Licht zu rücken.

Deshalb waren es wichtige Zeichen, dass es in der Folge der Ereignisse von Ende August eine Reihe von Veranstal­tungen gab, bei denen die Chemnitzer ihre demokratische Haltung gezeigt haben. Am 7. September veranstalteten die Theater Chemnitz vor dem Opern­haus unter Mitwirkung vieler Künstler aus anderen Ensembles, einen Konzert­abend in dessen Rahmen die 9. Sinfonie von Ludwig van Beethoven aufgeführt wurde. Der Abend stand unter dem Motto »Gemeinsam stärker – Kultur für Offenheit und Vielfalt«. Die Theater Chemnitz beschäftigen 438 Mitarbeiter aus 23 Nationen. Die Zahlen sprechen für sich. Der vollbesetzte Theaterplatz und Besucher, die sich selbst von strö­mendem Regen nicht vertreiben ließen, haben eindrucksvoll gezeigt, dass es auch das andere Chemnitz gibt, nicht nur das Laute, das sich Abgrenzende und das Hasserfüllte.

Es geht hier um weit mehr als nur um Chemnitz. In ganz Europa und sogar darüber hinaus, breitet sich zuneh­mend ein nationalistischer Egoismus aus, der die Meinung vertritt, dass es allein besser und erfolgreicher geht und dass Abschottung die Lösung vieler Probleme ist. Solche Tendenzen haben in der Vergangenheit fast immer Unheil gebracht.

Als Christen und mündige Bürger sind wir aufgerufen solchen Entwicklungen entschieden entgegen zu treten und damit das friedliche tolerante Zusam­menleben in der Gesellschaft, auch über bestehende Meinungsgrenzen hinweg, zu stärken.

Steffen Hoffmann

Jesus Christus spricht:
Friede sei mit euch!
Wie mich der Vater gesandt
hat, so sende ich euch.
Joh. 20,21