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Als in den letzten Wochen tausende Menschen versuchten die Grenze zur Europäischen Union zu überwinden, war immer wieder zu hören, dass sich Zustände wie 2015 nicht wiederholen dür­fen. Es besteht grundsätzlich Einigkeit darüber, dass Menschen nicht ohne Kontrolle, ohne Regis­trierung und ohne Asylverfahren zu uns kommen dürfen. Der Blick zurück auf das Jahr 2015 zeigt, dass das richtig ist.

Am Bestreben vieler Menschen, in eine Welt zu gelangen, in der vieles besser zu sein scheint, hat das aber nichts geän­dert, auch wenn das Thema in letzter Zeit weniger präsent war. Viele hatten das vielleicht gehofft. Warum sollte das auch so sein? Nach wie vor gera­ten Menschen zwischen die Fronten. Alles ist besser als dort zu sterben. Und auch wenn diese unmittelbare Gefahr vorüber ist, leben sie oft in Lagern ohne jegliche Perspektive. Viele wollen wieder zurück in die Heimat wenn der Krieg vorbei ist. Andere wollen nach Europa, nicht nur aus Kriegsgebieten, sondern auch weil sie in ihrer Heimat keine Chance auf ein auskömmliches Leben sehen. Die nennen wir dann Wirtschaftsflüchtlinge. Ist es ihnen zu verdenken, dass sie ein besseres Leben suchen? Haben nicht auch viele ehe­malige DDR-Bürger im Sommer 1989 einfach die Chance zur Flucht ergrif­fen, obwohl sie in ihrer Heimat nicht vom Tod bedroht waren? Die verklär­ten Vorstellungen vom Paradies haben sich damals wie heute für viele nicht erfüllt. Aber der Wunsch nach Frei­heit und Sicherheit schon. Und darauf lässt sich ein Leben aufbauen. Wären diese Bedingungen in der Heimat gege­ben, würden sich nur wenige ins ferne Europa aufmachen.

Unabhängig davon ist es nicht akzep­tabel, dass Menschen missbraucht werden in dem sie mit falschen Ver­sprechungen an die griechische Grenze gebracht werden, um damit andere Staaten zu erpressen. Trotzdem, wenn wir geneigt sind wegzuschauen bei den Bildern, die zeigen wie Menschen von dort wieder verscheucht werden, macht uns vielleicht die Erinnerung an die eigene Sehnsucht nach Wohlstand und Freiheit nachdenklich.

Unsere stark individualisierte Gesell­schaft ist für Egoismus sehr anfällig. Nicht nur Hamsterkäufe und der Dieb­stahl von Desinfektionsmittel aus Kran­kenhäusern haben das in letzter Zeit deutlich gemacht. Wenn wir es nicht schaffen, anderen gegenüber empa­thisch und barmherzig zu sein, sind unsere sogenannten christlich abend­ländischen Werte nichts wert.

Mir fällt die bekannte Geschichte vom barmherzigen Samariter ein. Damit beantwortet Jesus die Frage nach dem Nächsten. Das sollten wir unbedingt wieder einmal lesen. Zu finden ist der Text in der Bibel im Lukasevangelium im 10. Kapitel.

Steffen Hoffmann