Gedanken zur Jahreslosung

Ich sitze mit Freunden beim Frühstück. Wir unterhalten uns zwanglos über die Jahreslosung für 2020. Jemand sagt: »Mir gefällt sie nicht. Wenn jemand, der kein Christ ist, das liest, wird er sagen, dass die Christen selbst kein Gottver­trauen haben. Was macht das für einen Eindruck?«

Was haben wir im vergangenen Jahr als Christen für einen Eindruck hinter­lassen? Ganz persönlich in unserem Umfeld oder als Kirche insgesamt? Ich wage es kaum, mir darüber Rechen­schaft zu geben. Ich möchte anderen zuversichtlich und offen begegnen. Aber einzuschätzen, wie ich tatsäch­lich wirke, das traue ich mir nicht zu. Und wenn ich an unsere Kirche denke, so nehme ich mit Sorge wahr, dass sie im Moment nicht gerade blendend dasteht. Ich wünsche sie mir glaubwür­dig, mutmachend, versöhnend und ori­entierend. Dies war sie in der öffentli­chen Wahrnehmung oftmals nicht.

Gott sei Dank geht es aber in diesem kurzen Bibelwort nicht um einen äuße­ren Eindruck, sondern um eine innere Einstellung. Ein Vater bringt seinen epileptischen Sohn zu Jesus, damit der ihn heilt. Er hat Hoffnung, sonst käme er nicht. Er hat aber auch Zweifel, sonst würde er seine Bitte um Heilung nicht mit dem Halbsatz eröffnen: »Wenn du etwas kannst…«.

Wie beginnen Sie das neue Jahr, eher mit Hoffnung oder doch mit vielen Zweifeln?

Wenn Umfrage-Institute daraus eine Erhebung machen, fragen sie nach Optimismus und Pessimismus im Blick auf die Zukunft. Zu diesem Jahreswech­sel ergibt sich in Deutschland ange­sichts der aktuellen Herausforderun­gen kein klares Bild. Zusammengefasst wird gern von einer »zaghaften Zuver­sicht« gesprochen. Da staune ich nicht schlecht! Ist das nicht genau das Glei­che wie ein ungläubiger Glaube oder ein gläubiger Unglaube?

Wenn das so ist, dann passt die neue Jahreslosung zu dem, wie es uns gerade geht!

In unserer Frühstücksrunde sind wir uns jedenfalls einig. Wenn die Jahreslosung bedeutet, dass wir 2020 damit begin­nen, Gott und einander gegenüber ehr­lich zuzugeben, wie es uns wirklich geht, wird uns geholfen werden. So, wie dem Vater mit seinem kranken Kind.

Tobias Bilz

Quelle: www.evlks.de