Nachgedacht

Vor kurzem sendete der Deutschlandfunk einen Beitrag in dem der Kommentator zu mehr Hass aufrief. »Wir müssen wieder mehr hassen lernen und zwar richtig«. Es ging dabei um die Auseinandersetzung mit Wählern der AfD. Es hat mich gewundert, schätze ich den Deutschlandfunk doch für seine bemüht sachliche und objektive Berichterstattung und überhaupt für sein demokratieförderndes Programm.

Abgesehen davon, dass ich keine Vorstellung von der korrekten Form des Hasses habe, scheint mir Hass nicht geeignet zu sein, Probleme zu lösen. Hass wird gespeist von der Hilflosigkeit und dem Fehlen von Argumenten und entwickelt den Wunsch nach rücksichtsloser Durchsetzung der eigenen Interessen. Eine schlechte Grundlage für Kompromisse und Lösungen.
Nun bin ich ganz sicher kein Freund von Parteien die einfache Antworten auf komplizierte Fragen haben, aber dass Hass keine Lösung ist habe ich nie bezweifelt. So bin ich erzogen worden und das habe ich auch meinen Kindern so vermittelt. Das war immer Konsens, sowohl im christlichen als auch im humanistisch geprägten Umfeld.

In der Bibel (Matth. 5, 44) lese ich sogar folgendes: »Liebt eure Feinde und betet für alle, die euch verfolgen.« Das ist keine leichte Aufgabe, wenn nicht sogar eine unlösbare. Aber diese Aufforderung ist das absolute Gegenteil von Hass.

Ich widerspreche deshalb der Aussage des Kommentators vehement. Wir brauchen keinen Hass, wir brauchen vielmehr Achtung, Toleranz und Gesprächsbereitschaft und zwar über Meinungsgrenzen hinweg. Es ist keine Schwäche und auch keine Heuchelei, sogar ein Grundprinzip der Demokratie, sachlich gemeinsam nach Lösungen zu suchen, selbst wenn es in anderen Themenbereichen unüberbrückbare Meinungsunterschiede gibt.

Dieser Herbst war geprägt von den Erinnerungen an die friedliche Wende vor 30 Jahren. Ich wage zu behaupten, dass wir alle davon profitiert haben. Der ehemalige Bundespräsident Gauck sprach in diesem Zusammenhang vor allem von Freiheit und Teilhabe. Und natürlich ist das Finden von Lösungen unter demokratischen Verhältnissen ein mühsamer Prozess. Die Alternative dazu ist die Diktatur. Als die vor drei Jahrzehnten überwunden war, haben wir uns alle in den Armen gelegen. Ganz ohne Hass, sondern voller Glück. Das dürfen wir niemals vergessen!

Steffen Hoffmann