Ich glaube; hilf meinem Unglauben!

Markus 9,24

Wer besonders mutig ist, kann sich für einen Tandemsprung anmelden. Das Prinzip ist einfach: Ein ausgebildeter Springer springt mit einem Menschen wie du und ich mit einem Fallschirm aus dem Flugzeug. So kann man einen Sprung erleben ohne eine aufwendige Ausbildung zum Fallschirmspringer absolvieren zu müssen. Die Frage ist nun: Woran erkennt man, dass der Gastspringer dem Master (so nennt man den ausgebildeten Springer) wirklich vertraut? Man erkennt es weder an der Höhe des Trinkgeldes noch an den großen Sprüchen, die der Gast im Flugzeug klopft. Man erkennt es auch nicht am ausgefeilten Wissen des Gastes über das Fallschirmspringen im Allgemeinen und über das Tandemspringen im Speziellen. Man erkennt es an einer Sache: Der Gast traut sich. Er springt zusammen mit dem Master aus dem Flugzeug.

So ähnlich funktioniert das mit unserem Glauben an Jesus Christus. Ein Mensch kann vieles über Jesus wissen (das ist übrigens nicht verkehrt). Man kann auch viel von seinem Geld und seiner Zeit für die Kirche einsetzen (auch das ist grundsätzlich nicht falsch). Und man kann bei jeder Gelegenheit die Stärke und Größe seines Glaubens rühmen. Aber woran erkennt man, ob ein Mensch Jesus wirklich vertraut? Es sind diese Lebensmomente, in denen man vor einer Entscheidung steht: Vertraue ich mir, meinen Absicherungen, meinen Erfahrungen und Befürchtungen mehr als Jesus? Bin ich bereit, meine Sicherheitszone zu verlassen und Neues zu entdecken, weil Jesus mich ruft?

Dieses Vertrauen, dieser Glaube ist nicht blind. Er nimmt Jesus einfach nur ernst als der, der er ist: der Sohn Gottes, dem alle Gewalt im Himmel und auf der Erde gegeben ist. Ich denke, unser Problem ist nicht ein Glaube, der unvorsichtig, naiv oder übermütig ist. Unser Problem ist ein Glaube, der Jesus zu wenig zutraut und zu viel von uns und unseren Möglichkeiten erwartet.
Die neue Jahreslosung lädt uns ein, das zu ändern. In diesem Sinn wünsche ich ihnen ein spannendes und erfülltes Jahr 2020 mit mutigen Entscheidungen, die aus dem Glauben an Jesus Christus entspringen.

Ihr Pfarrer Jörg Matthies

Nachgedacht

Vor kurzem sendete der Deutschlandfunk einen Beitrag in dem der Kommentator zu mehr Hass aufrief. »Wir müssen wieder mehr hassen lernen und zwar richtig«. Es ging dabei um die Auseinandersetzung mit Wählern der AfD. Es hat mich gewundert, schätze ich den Deutschlandfunk doch für seine bemüht sachliche und objektive Berichterstattung und überhaupt für sein demokratieförderndes Programm.

Abgesehen davon, dass ich keine Vorstellung von der korrekten Form des Hasses habe, scheint mir Hass nicht geeignet zu sein, Probleme zu lösen. Hass wird gespeist von der Hilflosigkeit und dem Fehlen von Argumenten und entwickelt den Wunsch nach rücksichtsloser Durchsetzung der eigenen Interessen. Eine schlechte Grundlage für Kompromisse und Lösungen.
Nun bin ich ganz sicher kein Freund von Parteien die einfache Antworten auf komplizierte Fragen haben, aber dass Hass keine Lösung ist habe ich nie bezweifelt. So bin ich erzogen worden und das habe ich auch meinen Kindern so vermittelt. Das war immer Konsens, sowohl im christlichen als auch im humanistisch geprägten Umfeld.

In der Bibel (Matth. 5, 44) lese ich sogar folgendes: »Liebt eure Feinde und betet für alle, die euch verfolgen.« Das ist keine leichte Aufgabe, wenn nicht sogar eine unlösbare. Aber diese Aufforderung ist das absolute Gegenteil von Hass.

Ich widerspreche deshalb der Aussage des Kommentators vehement. Wir brauchen keinen Hass, wir brauchen vielmehr Achtung, Toleranz und Gesprächsbereitschaft und zwar über Meinungsgrenzen hinweg. Es ist keine Schwäche und auch keine Heuchelei, sogar ein Grundprinzip der Demokratie, sachlich gemeinsam nach Lösungen zu suchen, selbst wenn es in anderen Themenbereichen unüberbrückbare Meinungsunterschiede gibt.

Dieser Herbst war geprägt von den Erinnerungen an die friedliche Wende vor 30 Jahren. Ich wage zu behaupten, dass wir alle davon profitiert haben. Der ehemalige Bundespräsident Gauck sprach in diesem Zusammenhang vor allem von Freiheit und Teilhabe. Und natürlich ist das Finden von Lösungen unter demokratischen Verhältnissen ein mühsamer Prozess. Die Alternative dazu ist die Diktatur. Als die vor drei Jahrzehnten überwunden war, haben wir uns alle in den Armen gelegen. Ganz ohne Hass, sondern voller Glück. Das dürfen wir niemals vergessen!

Steffen Hoffmann