Dient einander als gute
Verwalter der vielfältigen
Gnade Gottes, jeder mit der
Gabe, die er empfangen hat!
1. Petr. 4, 10 – Monatsspruch Mai

Wenn heute von Verwaltung die Rede ist, denke ich sofort an Bürokratie. Bescheide, Formulare, Rechnungen, Bekanntgaben, Verordnungen habe ich da vor Augen. Auch in der Kirche sind wir nicht frei von diesen Dingen. In vie­len Kirchgemeinden wird beklagt, dass zu viel Zeit für Verwaltungsaufgaben verwendet wird. Arbeitsstunden, die uns davon abhalten, den Blick haupt­sächlich auf Gottes Wort und auf die Nächstenliebe zu richten.

Die ersten Christen, an die der Pet­rusbrief gerichtet war, kannten das Wort Bürokratie noch nicht. Sicherlich steuerte das Römische Reich da schon in die Richtung. Die angeordnete Volks­zählung in der Weihnachtsgeschichte legt das zumindest nahe. Aber die christlichen Gemeinden damals hatten noch keine eigene Verwaltung nötig. Insofern hat der im Monatsspruch erwähnte »gute Verwalter« für die Christen damals einen positiven Klang.

Der Petrusbrief legt mir nahe, ein guter Verwalter der vielfältigen Gnade Gottes zu sein. Und dabei geht es nicht um eine Selbstverwaltung. Meine Verwaltungs­aufgabe soll vielmehr anderen von Nut­zen sein. Ich soll anderen damit dienen. Und andere dienen mir wiederum als Verwalter ihrer Gaben, die Gott ihnen zum Geschenk gemacht hat.

In diesen Wochen ist das gegensei­tige Dienen mit Gottes Gaben in ein besonderes Licht gerückt. Die Corona- Virus-Krise hat unseren Alltag stark verändert. Wir sind aufeinander ganz anders angewiesen als bisher. »#pas­staufeinanderauf« – mit diesem soge­nannten »Hashtag« werben wir als Kirchgemeinden auf unseren Internet­seiten dafür, sich nicht aus dem Blick zu verlieren, sondern aufeinander acht­zugeben. Einander zu dienen mit den Gaben, die Gott uns geschenkt hat.

Doch ganz gleich ob ich nun mit dem Internet umzugehen weiß oder nicht – ich wünsche, dass jeder von uns den anderen sieht. Mehr und stärker als sonst. Gottes Segen sei dabei uns behilflich. Damit wir nicht aufhören, aufeinander aufzupassen, einander zu dienen mit dem, was wir haben. So wer­den wir zu guten Verwaltern der viel­fältigen Gnade Gottes, wie es im Pet­rusbrief beschrieben wird – besonders in außergewöhnlichen und herausfor­dernden Zeiten.

Ihr Pfarrer Heiko Jadatz

wenn alles still steht und ungewisse zukunft winkt,

harter wind in mein gesicht weht und angst ins herze sinkt,

dann trete ich vor DICH, MEIN HERR,

ich hoffe auf DICH und für morgen gleich ein bisschen mehr.

Da die gegenwärtige Situation angesichts des Corona-Virus uns alle miteinander zu Einschränkungen zwingt, und wir daher auch als Kirchgemeinde alle Veranstaltungen bis einschließlich den 29. März 2020 abgesagt haben, möchten wir Sie dennoch einladen, mit uns gemeinsam unseren Glauben weiter zu leben. Die folgende Andacht kann eine Anregung sein. Weitere Anregungen finden Sie auf der letzen Seite.

Wir ermuntern Sie, in den nächsten Wochen an jedem Wochentag zum 18 Uhr zu beten. So werden wir zwar räumlich getrennt, aber im Gebet durch unseren Herrn miteinander verbunden sein. Dieses Andachtsblatt soll Ihnen dabei helfen. Das ist nur ein kleines Zeichen, aber ein wichtiges, dass wir zusammen gehören, auch wenn wir gerade nicht zusammen sind. Sonntags gilt das gleiche zu den eigentlich vorgesehenen Gottesdienstzeiten.

Andacht

für Zuhause, allein oder in Familien, an Wochentagen und Sonntagen

Stille / Glockengeläut

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen, denn dein Ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. Amen.

Entzünden einer Kerze

„Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.“

Psalmgebet

Wählen Sie ein Psalmgebet aus dem Gesangbuch ab Nr. 702 oder aus der Bibel im Buch der Psalmen

„Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem
Heiligen Geist. Amen.“

Gebet

ich rudere zu Gott ins uferlose
ich greife nach Gott ins unfassliche
ich schreie nach Gott ins unerhörte
ich spähe nach Gott im aussichtslosen
ich brenne nach Gott, noch im erloschenen

Andreas Knapp (aus: Höher als der Himmel. Göttliche Gedichte)

Herr, mein Herz ist schwer.
Ich sorge mich um liebe Menschen und um mich selbst.
Beruhige du mein Herz und hilf mir mutig und zuversichtlich
nach vorn zu schauen.
Hilf uns allen, dass wir aufeinander achten und uns gegenseitig schützen, wo es möglich und nötig ist.
Du hältst Gnade und Güte für uns bereit, das wissen wir durch deinen lieben Sohn, unseren Herrn, Jesus Christus, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und leben schafft in Ewigkeit. Amen.

Lesung

Hier kann eine Textstelle aus der Bibel oder die Losung und der Lehrtext gelesen werden. Es bietet sich auch an, die Passionsgeschichte in Abschnitten zu lesen: Im Neuen Testament, im Markusevangelium ab Kapitel 14 oder bei Matthäus und Lukas.

Stille

Lassen Sie den Text für einen Moment auf sich wirken.
Wenn Sie möchten, können Sie auch einen kurzen Impuls zu den Texten lesen oder hören. Vielleicht besitzen Sie ein Andachtsbuch.

Andernfalls finden Sie auf der Internetseite www.theolschirmer.blogspot.com jeweils Impulse zu den Losungstexten und kurze Predigten zu den Sonntagen. Hier finden Sie auch ältere Predigten von Pfarrer Schirmer zum Nachhören oder Nachlesen.

Lied

Wenn Sie möchten, können Sie ein Lied, dass Sie gut kennen, aus dem Gesangbuch oder einem Liederheft singen, oder Sie hören ein Lied. Auf www.youtube.de gibt es eine Vielzahl christlicher Lieder.

Fürbittengebet

Gott, dir lege ich vor, was mich in der Seele schmerzt, was sich eingebrannt hat und was in Scherben gegangen ist…

(Hier können persönliche Anliegen formuliert werden.)

Kannst du meine Klage in einen Tanz verwandeln?
Gott, wie viele Menschen sind aus dem Frieden vertrieben –
dem äußeren und dem inneren…

(Hier können persönliche Anliegen und Ereignisse der Gegenwart benannt werden.)

Kannst du ihnen das Trauerkleid ausziehen
und sie wieder mit Freude kleiden?
Gib mir den Mut und die Kraft, deiner Güte jeden Morgen neu zu trauen. Halte mich an dir. Amen.

Segen

Gott des Friedens, Herr, Jesus Christus, mein ständiger Begleiter, leite mich auf dem Weg der Hoffnung und schenke mir deinen Frieden, deine Liebe und Stärkung durch deinen Geist. So segne mich, dreieiniger Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist. Amen.


Auch wenn Ihnen selbst der Glaube schwer fällt, können Sie sich diese Worte und den Glauben, von dem die Worte getragen sind, ausleihen – wer weiß, vielleicht trägt er auch Sie.

Andachtsblatt als pdf zum Download

Gedanken zur Jahreslosung

Ich sitze mit Freunden beim Frühstück. Wir unterhalten uns zwanglos über die Jahreslosung für 2020. Jemand sagt: »Mir gefällt sie nicht. Wenn jemand, der kein Christ ist, das liest, wird er sagen, dass die Christen selbst kein Gottver­trauen haben. Was macht das für einen Eindruck?«

Was haben wir im vergangenen Jahr als Christen für einen Eindruck hinter­lassen? Ganz persönlich in unserem Umfeld oder als Kirche insgesamt? Ich wage es kaum, mir darüber Rechen­schaft zu geben. Ich möchte anderen zuversichtlich und offen begegnen. Aber einzuschätzen, wie ich tatsäch­lich wirke, das traue ich mir nicht zu. Und wenn ich an unsere Kirche denke, so nehme ich mit Sorge wahr, dass sie im Moment nicht gerade blendend dasteht. Ich wünsche sie mir glaubwür­dig, mutmachend, versöhnend und ori­entierend. Dies war sie in der öffentli­chen Wahrnehmung oftmals nicht.

Gott sei Dank geht es aber in diesem kurzen Bibelwort nicht um einen äuße­ren Eindruck, sondern um eine innere Einstellung. Ein Vater bringt seinen epileptischen Sohn zu Jesus, damit der ihn heilt. Er hat Hoffnung, sonst käme er nicht. Er hat aber auch Zweifel, sonst würde er seine Bitte um Heilung nicht mit dem Halbsatz eröffnen: »Wenn du etwas kannst…«.

Wie beginnen Sie das neue Jahr, eher mit Hoffnung oder doch mit vielen Zweifeln?

Wenn Umfrage-Institute daraus eine Erhebung machen, fragen sie nach Optimismus und Pessimismus im Blick auf die Zukunft. Zu diesem Jahreswech­sel ergibt sich in Deutschland ange­sichts der aktuellen Herausforderun­gen kein klares Bild. Zusammengefasst wird gern von einer »zaghaften Zuver­sicht« gesprochen. Da staune ich nicht schlecht! Ist das nicht genau das Glei­che wie ein ungläubiger Glaube oder ein gläubiger Unglaube?

Wenn das so ist, dann passt die neue Jahreslosung zu dem, wie es uns gerade geht!

In unserer Frühstücksrunde sind wir uns jedenfalls einig. Wenn die Jahreslosung bedeutet, dass wir 2020 damit begin­nen, Gott und einander gegenüber ehr­lich zuzugeben, wie es uns wirklich geht, wird uns geholfen werden. So, wie dem Vater mit seinem kranken Kind.

Tobias Bilz

Quelle: www.evlks.de

Ich glaube; hilf meinem Unglauben!

Markus 9,24

Wer besonders mutig ist, kann sich für einen Tandemsprung anmelden. Das Prinzip ist einfach: Ein ausgebildeter Springer springt mit einem Menschen wie du und ich mit einem Fallschirm aus dem Flugzeug. So kann man einen Sprung erleben ohne eine aufwendige Ausbildung zum Fallschirmspringer absolvieren zu müssen. Die Frage ist nun: Woran erkennt man, dass der Gastspringer dem Master (so nennt man den ausgebildeten Springer) wirklich vertraut? Man erkennt es weder an der Höhe des Trinkgeldes noch an den großen Sprüchen, die der Gast im Flugzeug klopft. Man erkennt es auch nicht am ausgefeilten Wissen des Gastes über das Fallschirmspringen im Allgemeinen und über das Tandemspringen im Speziellen. Man erkennt es an einer Sache: Der Gast traut sich. Er springt zusammen mit dem Master aus dem Flugzeug.

So ähnlich funktioniert das mit unserem Glauben an Jesus Christus. Ein Mensch kann vieles über Jesus wissen (das ist übrigens nicht verkehrt). Man kann auch viel von seinem Geld und seiner Zeit für die Kirche einsetzen (auch das ist grundsätzlich nicht falsch). Und man kann bei jeder Gelegenheit die Stärke und Größe seines Glaubens rühmen. Aber woran erkennt man, ob ein Mensch Jesus wirklich vertraut? Es sind diese Lebensmomente, in denen man vor einer Entscheidung steht: Vertraue ich mir, meinen Absicherungen, meinen Erfahrungen und Befürchtungen mehr als Jesus? Bin ich bereit, meine Sicherheitszone zu verlassen und Neues zu entdecken, weil Jesus mich ruft?

Dieses Vertrauen, dieser Glaube ist nicht blind. Er nimmt Jesus einfach nur ernst als der, der er ist: der Sohn Gottes, dem alle Gewalt im Himmel und auf der Erde gegeben ist. Ich denke, unser Problem ist nicht ein Glaube, der unvorsichtig, naiv oder übermütig ist. Unser Problem ist ein Glaube, der Jesus zu wenig zutraut und zu viel von uns und unseren Möglichkeiten erwartet.
Die neue Jahreslosung lädt uns ein, das zu ändern. In diesem Sinn wünsche ich ihnen ein spannendes und erfülltes Jahr 2020 mit mutigen Entscheidungen, die aus dem Glauben an Jesus Christus entspringen.

Ihr Pfarrer Jörg Matthies

Nachgedacht

Vor kurzem sendete der Deutschlandfunk einen Beitrag in dem der Kommentator zu mehr Hass aufrief. »Wir müssen wieder mehr hassen lernen und zwar richtig«. Es ging dabei um die Auseinandersetzung mit Wählern der AfD. Es hat mich gewundert, schätze ich den Deutschlandfunk doch für seine bemüht sachliche und objektive Berichterstattung und überhaupt für sein demokratieförderndes Programm.

Abgesehen davon, dass ich keine Vorstellung von der korrekten Form des Hasses habe, scheint mir Hass nicht geeignet zu sein, Probleme zu lösen. Hass wird gespeist von der Hilflosigkeit und dem Fehlen von Argumenten und entwickelt den Wunsch nach rücksichtsloser Durchsetzung der eigenen Interessen. Eine schlechte Grundlage für Kompromisse und Lösungen.
Nun bin ich ganz sicher kein Freund von Parteien die einfache Antworten auf komplizierte Fragen haben, aber dass Hass keine Lösung ist habe ich nie bezweifelt. So bin ich erzogen worden und das habe ich auch meinen Kindern so vermittelt. Das war immer Konsens, sowohl im christlichen als auch im humanistisch geprägten Umfeld.

In der Bibel (Matth. 5, 44) lese ich sogar folgendes: »Liebt eure Feinde und betet für alle, die euch verfolgen.« Das ist keine leichte Aufgabe, wenn nicht sogar eine unlösbare. Aber diese Aufforderung ist das absolute Gegenteil von Hass.

Ich widerspreche deshalb der Aussage des Kommentators vehement. Wir brauchen keinen Hass, wir brauchen vielmehr Achtung, Toleranz und Gesprächsbereitschaft und zwar über Meinungsgrenzen hinweg. Es ist keine Schwäche und auch keine Heuchelei, sogar ein Grundprinzip der Demokratie, sachlich gemeinsam nach Lösungen zu suchen, selbst wenn es in anderen Themenbereichen unüberbrückbare Meinungsunterschiede gibt.

Dieser Herbst war geprägt von den Erinnerungen an die friedliche Wende vor 30 Jahren. Ich wage zu behaupten, dass wir alle davon profitiert haben. Der ehemalige Bundespräsident Gauck sprach in diesem Zusammenhang vor allem von Freiheit und Teilhabe. Und natürlich ist das Finden von Lösungen unter demokratischen Verhältnissen ein mühsamer Prozess. Die Alternative dazu ist die Diktatur. Als die vor drei Jahrzehnten überwunden war, haben wir uns alle in den Armen gelegen. Ganz ohne Hass, sondern voller Glück. Das dürfen wir niemals vergessen!

Steffen Hoffmann