Ich danke dir dafür, dass
 ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.

Psalm 139,14
 (Monatsspruch August)

Viele Menschen legen großen Wert auf ihren Vorgarten vor dem Haus. Und das ist auch verständlich. Der Vorgarten ist der erste Eindruck vom Zuhause, das mich dahinter erwartet. Ganz unterschiedlich sind Vorgärten gestaltet: mit viel Kies und Pflanzkübeln darauf, akkurat geschnittene Hecken, zwei – drei Gartenzwerge, eine alte Schubkarre oder Zinkwanne mit Blumen bepflanzt, eine kleine Wildblumenfläche, ein Brunnen, leuchtende Kugeln aus Glas und vieles mehr.

Bin ich als Mensch für Gott auch so etwas wie ein Vorgarten seiner Schöpfung? Hat ER mich und die anderen Menschen so geschaffen, wie ER sich in mir zeigen will? Die Menschen sind so unterschiedlich wie die Vorgärten vor den Häusern in ihrem Aussehen und mit ihren Eigenschaften. Doch sie haben gemeinsam, dass sie von Gott geschaffen und mit verschiedenen Gaben versehen wurden. Gott hat unsere menschlichen Vielfalt und Buntheit geschaffen als sein Ebenbild und ER sorgt für uns wie ein Gärtner in seinem Vorgarten.

Ich dagegen trage die Verantwortung, mit meinen Fähigkeiten und Begabungen zu wachsen, sie nicht zu verschwenden oder zu missbrauchen, sie zu nutzen und fruchtbringend für andere einzusetzen.

Der Monatsspruch für August macht mir das alles deutlich. Im Psalm 139 dankt ein einzelner Mensch Gott dafür, dass er von IHM so wunderbar geschaffen wurde – ein Mensch, der sich mit seinen Eigenschaften und Besonderheiten nicht als »Laune der Natur« betrachtet, sondern als ein Werk Gottes sieht. Und dafür ist er Gott dankbar.

Ich wünsche mir und Ihnen, dass wir den Worten in Psalm 139 ohne weiteres folgen können. Bei allen Ecken und Kanten, Macken und Marotten, bin ich dennoch ein Geschöpf Gottes. Ich bin wunderbar von IHM gemacht worden. Ich bin SEIN Werk.

Um daran erinnert zu werden, hilft mir oft die Einzigartigkeit und Schönheit der Natur. Und vielleicht beim nächsten Spaziergang entlang der Vorgärten, die so unterschiedlich sein können, denke ich wieder daran, dass Gott uns ganz unterschiedlich und einzigartig geschaffen hat. Danke, Gott, für Deine Werke!

Pfarrer Heiko Jadatz (Roßwein)

Foto: esudroff auf Pixabay

Pixabay.com - User: CC0 Public Domain - https://pixabay.com/de/gefalteten-h%C3%A4nden-komfort-h%C3%A4nde-541849/

Als in den letzten Wochen tausende Menschen versuchten die Grenze zur Europäischen Union zu überwinden, war immer wieder zu hören, dass sich Zustände wie 2015 nicht wiederholen dür­fen. Es besteht grundsätzlich Einigkeit darüber, dass Menschen nicht ohne Kontrolle, ohne Regis­trierung und ohne Asylverfahren zu uns kommen dürfen. Der Blick zurück auf das Jahr 2015 zeigt, dass das richtig ist.

Am Bestreben vieler Menschen, in eine Welt zu gelangen, in der vieles besser zu sein scheint, hat das aber nichts geän­dert, auch wenn das Thema in letzter Zeit weniger präsent war. Viele hatten das vielleicht gehofft. Warum sollte das auch so sein? Nach wie vor gera­ten Menschen zwischen die Fronten. Alles ist besser als dort zu sterben. Und auch wenn diese unmittelbare Gefahr vorüber ist, leben sie oft in Lagern ohne jegliche Perspektive. Viele wollen wieder zurück in die Heimat wenn der Krieg vorbei ist. Andere wollen nach Europa, nicht nur aus Kriegsgebieten, sondern auch weil sie in ihrer Heimat keine Chance auf ein auskömmliches Leben sehen. Die nennen wir dann Wirtschaftsflüchtlinge. Ist es ihnen zu verdenken, dass sie ein besseres Leben suchen? Haben nicht auch viele ehe­malige DDR-Bürger im Sommer 1989 einfach die Chance zur Flucht ergrif­fen, obwohl sie in ihrer Heimat nicht vom Tod bedroht waren? Die verklär­ten Vorstellungen vom Paradies haben sich damals wie heute für viele nicht erfüllt. Aber der Wunsch nach Frei­heit und Sicherheit schon. Und darauf lässt sich ein Leben aufbauen. Wären diese Bedingungen in der Heimat gege­ben, würden sich nur wenige ins ferne Europa aufmachen.

Unabhängig davon ist es nicht akzep­tabel, dass Menschen missbraucht werden in dem sie mit falschen Ver­sprechungen an die griechische Grenze gebracht werden, um damit andere Staaten zu erpressen. Trotzdem, wenn wir geneigt sind wegzuschauen bei den Bildern, die zeigen wie Menschen von dort wieder verscheucht werden, macht uns vielleicht die Erinnerung an die eigene Sehnsucht nach Wohlstand und Freiheit nachdenklich.

Unsere stark individualisierte Gesell­schaft ist für Egoismus sehr anfällig. Nicht nur Hamsterkäufe und der Dieb­stahl von Desinfektionsmittel aus Kran­kenhäusern haben das in letzter Zeit deutlich gemacht. Wenn wir es nicht schaffen, anderen gegenüber empa­thisch und barmherzig zu sein, sind unsere sogenannten christlich abend­ländischen Werte nichts wert.

Mir fällt die bekannte Geschichte vom barmherzigen Samariter ein. Damit beantwortet Jesus die Frage nach dem Nächsten. Das sollten wir unbedingt wieder einmal lesen. Zu finden ist der Text in der Bibel im Lukasevangelium im 10. Kapitel.

Steffen Hoffmann

wenn alles still steht und ungewisse zukunft winkt,

harter wind in mein gesicht weht und angst ins herze sinkt,

dann trete ich vor DICH, MEIN HERR,

ich hoffe auf DICH und für morgen gleich ein bisschen mehr.

Da die gegenwärtige Situation angesichts des Corona-Virus uns alle miteinander zu Einschränkungen zwingt, und wir daher auch als Kirchgemeinde alle Veranstaltungen bis einschließlich den 29. März 2020 abgesagt haben, möchten wir Sie dennoch einladen, mit uns gemeinsam unseren Glauben weiter zu leben. Die folgende Andacht kann eine Anregung sein. Weitere Anregungen finden Sie auf der letzen Seite.

Wir ermuntern Sie, in den nächsten Wochen an jedem Wochentag zum 18 Uhr zu beten. So werden wir zwar räumlich getrennt, aber im Gebet durch unseren Herrn miteinander verbunden sein. Dieses Andachtsblatt soll Ihnen dabei helfen. Das ist nur ein kleines Zeichen, aber ein wichtiges, dass wir zusammen gehören, auch wenn wir gerade nicht zusammen sind. Sonntags gilt das gleiche zu den eigentlich vorgesehenen Gottesdienstzeiten.

Andacht

für Zuhause, allein oder in Familien, an Wochentagen und Sonntagen

Stille / Glockengeläut

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen, denn dein Ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. Amen.

Entzünden einer Kerze

„Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.“

Psalmgebet

Wählen Sie ein Psalmgebet aus dem Gesangbuch ab Nr. 702 oder aus der Bibel im Buch der Psalmen

„Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem
Heiligen Geist. Amen.“

Gebet

ich rudere zu Gott ins uferlose
ich greife nach Gott ins unfassliche
ich schreie nach Gott ins unerhörte
ich spähe nach Gott im aussichtslosen
ich brenne nach Gott, noch im erloschenen

Andreas Knapp (aus: Höher als der Himmel. Göttliche Gedichte)

Herr, mein Herz ist schwer.
Ich sorge mich um liebe Menschen und um mich selbst.
Beruhige du mein Herz und hilf mir mutig und zuversichtlich
nach vorn zu schauen.
Hilf uns allen, dass wir aufeinander achten und uns gegenseitig schützen, wo es möglich und nötig ist.
Du hältst Gnade und Güte für uns bereit, das wissen wir durch deinen lieben Sohn, unseren Herrn, Jesus Christus, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und leben schafft in Ewigkeit. Amen.

Lesung

Hier kann eine Textstelle aus der Bibel oder die Losung und der Lehrtext gelesen werden. Es bietet sich auch an, die Passionsgeschichte in Abschnitten zu lesen: Im Neuen Testament, im Markusevangelium ab Kapitel 14 oder bei Matthäus und Lukas.

Stille

Lassen Sie den Text für einen Moment auf sich wirken.
Wenn Sie möchten, können Sie auch einen kurzen Impuls zu den Texten lesen oder hören. Vielleicht besitzen Sie ein Andachtsbuch.

Andernfalls finden Sie auf der Internetseite www.theolschirmer.blogspot.com jeweils Impulse zu den Losungstexten und kurze Predigten zu den Sonntagen. Hier finden Sie auch ältere Predigten von Pfarrer Schirmer zum Nachhören oder Nachlesen.

Lied

Wenn Sie möchten, können Sie ein Lied, dass Sie gut kennen, aus dem Gesangbuch oder einem Liederheft singen, oder Sie hören ein Lied. Auf www.youtube.de gibt es eine Vielzahl christlicher Lieder.

Fürbittengebet

Gott, dir lege ich vor, was mich in der Seele schmerzt, was sich eingebrannt hat und was in Scherben gegangen ist…

(Hier können persönliche Anliegen formuliert werden.)

Kannst du meine Klage in einen Tanz verwandeln?
Gott, wie viele Menschen sind aus dem Frieden vertrieben –
dem äußeren und dem inneren…

(Hier können persönliche Anliegen und Ereignisse der Gegenwart benannt werden.)

Kannst du ihnen das Trauerkleid ausziehen
und sie wieder mit Freude kleiden?
Gib mir den Mut und die Kraft, deiner Güte jeden Morgen neu zu trauen. Halte mich an dir. Amen.

Segen

Gott des Friedens, Herr, Jesus Christus, mein ständiger Begleiter, leite mich auf dem Weg der Hoffnung und schenke mir deinen Frieden, deine Liebe und Stärkung durch deinen Geist. So segne mich, dreieiniger Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist. Amen.


Auch wenn Ihnen selbst der Glaube schwer fällt, können Sie sich diese Worte und den Glauben, von dem die Worte getragen sind, ausleihen – wer weiß, vielleicht trägt er auch Sie.

Andachtsblatt als pdf zum Download

Gedanken zur Jahreslosung

Ich sitze mit Freunden beim Frühstück. Wir unterhalten uns zwanglos über die Jahreslosung für 2020. Jemand sagt: »Mir gefällt sie nicht. Wenn jemand, der kein Christ ist, das liest, wird er sagen, dass die Christen selbst kein Gottver­trauen haben. Was macht das für einen Eindruck?«

Was haben wir im vergangenen Jahr als Christen für einen Eindruck hinter­lassen? Ganz persönlich in unserem Umfeld oder als Kirche insgesamt? Ich wage es kaum, mir darüber Rechen­schaft zu geben. Ich möchte anderen zuversichtlich und offen begegnen. Aber einzuschätzen, wie ich tatsäch­lich wirke, das traue ich mir nicht zu. Und wenn ich an unsere Kirche denke, so nehme ich mit Sorge wahr, dass sie im Moment nicht gerade blendend dasteht. Ich wünsche sie mir glaubwür­dig, mutmachend, versöhnend und ori­entierend. Dies war sie in der öffentli­chen Wahrnehmung oftmals nicht.

Gott sei Dank geht es aber in diesem kurzen Bibelwort nicht um einen äuße­ren Eindruck, sondern um eine innere Einstellung. Ein Vater bringt seinen epileptischen Sohn zu Jesus, damit der ihn heilt. Er hat Hoffnung, sonst käme er nicht. Er hat aber auch Zweifel, sonst würde er seine Bitte um Heilung nicht mit dem Halbsatz eröffnen: »Wenn du etwas kannst…«.

Wie beginnen Sie das neue Jahr, eher mit Hoffnung oder doch mit vielen Zweifeln?

Wenn Umfrage-Institute daraus eine Erhebung machen, fragen sie nach Optimismus und Pessimismus im Blick auf die Zukunft. Zu diesem Jahreswech­sel ergibt sich in Deutschland ange­sichts der aktuellen Herausforderun­gen kein klares Bild. Zusammengefasst wird gern von einer »zaghaften Zuver­sicht« gesprochen. Da staune ich nicht schlecht! Ist das nicht genau das Glei­che wie ein ungläubiger Glaube oder ein gläubiger Unglaube?

Wenn das so ist, dann passt die neue Jahreslosung zu dem, wie es uns gerade geht!

In unserer Frühstücksrunde sind wir uns jedenfalls einig. Wenn die Jahreslosung bedeutet, dass wir 2020 damit begin­nen, Gott und einander gegenüber ehr­lich zuzugeben, wie es uns wirklich geht, wird uns geholfen werden. So, wie dem Vater mit seinem kranken Kind.

Tobias Bilz

Quelle: www.evlks.de

Ich glaube; hilf meinem Unglauben!

Markus 9,24

Wer besonders mutig ist, kann sich für einen Tandemsprung anmelden. Das Prinzip ist einfach: Ein ausgebildeter Springer springt mit einem Menschen wie du und ich mit einem Fallschirm aus dem Flugzeug. So kann man einen Sprung erleben ohne eine aufwendige Ausbildung zum Fallschirmspringer absolvieren zu müssen. Die Frage ist nun: Woran erkennt man, dass der Gastspringer dem Master (so nennt man den ausgebildeten Springer) wirklich vertraut? Man erkennt es weder an der Höhe des Trinkgeldes noch an den großen Sprüchen, die der Gast im Flugzeug klopft. Man erkennt es auch nicht am ausgefeilten Wissen des Gastes über das Fallschirmspringen im Allgemeinen und über das Tandemspringen im Speziellen. Man erkennt es an einer Sache: Der Gast traut sich. Er springt zusammen mit dem Master aus dem Flugzeug.

So ähnlich funktioniert das mit unserem Glauben an Jesus Christus. Ein Mensch kann vieles über Jesus wissen (das ist übrigens nicht verkehrt). Man kann auch viel von seinem Geld und seiner Zeit für die Kirche einsetzen (auch das ist grundsätzlich nicht falsch). Und man kann bei jeder Gelegenheit die Stärke und Größe seines Glaubens rühmen. Aber woran erkennt man, ob ein Mensch Jesus wirklich vertraut? Es sind diese Lebensmomente, in denen man vor einer Entscheidung steht: Vertraue ich mir, meinen Absicherungen, meinen Erfahrungen und Befürchtungen mehr als Jesus? Bin ich bereit, meine Sicherheitszone zu verlassen und Neues zu entdecken, weil Jesus mich ruft?

Dieses Vertrauen, dieser Glaube ist nicht blind. Er nimmt Jesus einfach nur ernst als der, der er ist: der Sohn Gottes, dem alle Gewalt im Himmel und auf der Erde gegeben ist. Ich denke, unser Problem ist nicht ein Glaube, der unvorsichtig, naiv oder übermütig ist. Unser Problem ist ein Glaube, der Jesus zu wenig zutraut und zu viel von uns und unseren Möglichkeiten erwartet.
Die neue Jahreslosung lädt uns ein, das zu ändern. In diesem Sinn wünsche ich ihnen ein spannendes und erfülltes Jahr 2020 mit mutigen Entscheidungen, die aus dem Glauben an Jesus Christus entspringen.

Ihr Pfarrer Jörg Matthies

Bild von Nicoleta Nastace auf Pixabay